Startprobleme bei Motoren (Glühzünder) 2-takt und wie man sie vermeiden kann. > 4-takt siehe weiter unten <

Weit mehr als 50% aller Modellflieger haben mehr oder weniger große Probleme beim Starten ihrer Modellmotoren. Die den Motoren beigelegten Gebrauchsanweisungen reichen einfach nicht aus, um auf alles hinzuweisen, was wichtig ist.

Einbau

Schon der Einbau von Motoren in die Modelle ist entscheidend für das spätere Starten. Wenn irgend möglich, sollte der Motor liegend eingebaut werden, mit dem Auspuffschlitz nach unten. (Beim Heckauslass-Motor geht es leider nicht). Hiermit wird erreicht, daß überzähliger Kraftstoff im Motor, sofort durch den Auspuffschlitz nach unten austritt und sich nicht im Kurbelgehäuse ansammelt, um dann beim Anlassen in den Verbrennungsraum gewirbelt zu werden. Dort kann dieser Kraftstoff verheerende Folgen auslösen. Er ist als reiner Kraftstoff nicht zu verdichten, läßt sich also durch die Aufwärtsbewegung des Kolbens nicht komprimieren. Die Folge ist eine Zerstörung des Motors an Pleuel oder Kurbelwelle. Nur ein richtig dosiertes Kraftstoff-Luftgemisch kann verdichtet werden und den Motor zum Laufen bringen.

Vorbereitungen

Der Propeller sollte, wenn der Kolben mit der Verdichtung anfängt zwischen 12 und 13 Uhr stehen. Den Tank ausreichend füllen. Kerzenakku muß voll geladen sein.

Anlassen

Durch den voll geöffneten Vergaser, mit Spritze oder Tankflasche reichlich Kraftstoff in den Motor geben (ruhig versaufen lassen). Propellerstellung 12 bis 13 Uhr, damit Fenster der Kurbelwelle unter dem Vergaser geöffnet ist (sonst geht kein Sprit rein). Dann den Vergaser bis auf 1/4 schließen und mit der Hand ca.1Ox den Motor schnell durchdrehen oder mit dem Anlasser ca. 3 bis 4 Sekunden. Erst jetzt die Kerzenklemme aufstecken und den Propeller, Stellung 15 Uhr, entgegengesetzt der Laufrichtung mit der Hand einmal anschlagen, nicht durchdrehen! Noch keinen Anlasser nehmen. Wenn alles stimmte, springt der Motor beim 1.Schlag sofort an. Falls nicht, dann mit der Hand noch 2 bis 3x entgegengesetzt der Laufrichtung anschlagen. Erst wenn der Motor dann noch nicht läuft, den Anlasser kurz ansetzen und in richtiger Laufrichtung anlassen.

Wenn der Motor noch immer nicht will, dann:

Fehlerquellen beseitigen

1.) Ungeeigneter Kraftstoff - Nitromethanzusatz maximal 3% - Neue Motoren unbedingt ohne Nitrozusatz einlaufen lassen!

2.) Tankpendel verstopft. (Bei KAVAN-Tanks löst sich im Laufe der Zeit der Gummistopfen und Schlauch durch Nitrozusatz total auf und setzt sich vor das Pendel

3.) Schlauch zum Tankpendel undicht.

4.) Messingröhrchen an welchem das Pendel aufgesteckt ist, kann durch kleine unsichtbare Risse porös sein und falsche Luft ziehen.

5.) Schlauch vom Vergaser bis zum Tank auf völlige Dichtheit prüfen.

6.) Kraftstoffilter (niemals ohne) verstopft oder nicht fest genug verschraubt.

7.) Düsenstock am Vergaser verstopft - kann sogar bei ganz neuem Motor vorkommen. Bei werksseitig verlötetem Düsenstock kann etwas Lötzinn durchgelaufen sein und sich vor den Einlauf gesetzt haben. Kraftstoffschlauch am Vergaser abziehen, Düsennadel ganz herausdrehen, dann zuerst mit einem dünnen Draht von der Kraftstoffschlauchseite durchstoßen und anschließend durch den Sitz der Düsennadel stoßen. Bei anderen Vergasern werden die Röhrchen am Düsenstock passgenau gearbeitet und dann zusammengepresst. Hier können schon mal undichte Stellen auftreten die dann Luft ziehen. Bitte sauber nachlöten am besten mit heißer Gasflamme.

Ein weiteres unerforschtes Tankproblem

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8.) Kerze glüht unzureichend. Herausschrauben, Klemme drauf und feststellen, ob der Glühwendel hellrot bis weiß leuchtet. Dann auf die glühende Kerze kräftig draufpusten. Geht die Leuchtkraft beim Draufpusten sehr deutlich in die Knie, dann ist der Kerzenakku nicht voll.

9.) Motor zerlegt und gereinigt, auf richtigen Zusammenbau achten. Leider bauen einige Motorenhersteller ihre Motoren noch nicht so modellfreundlich, daß auch ein Laie nichts falsch machen kann. So kommt es oft beim Zusammenbau zerlegter Motoren dazu, daß die Laufbuchse um bis zu180 Grad verdreht eingesetzt wird. Der Motor Läuft zwar, aber wie. Nasenkolben mit der Nase entgegengesetzt zum Auspuffschlitz einsetzen, entsprechend auch den Zylinderkopf; diesen mit den Schrauben weich, über Kreuz gleichmäßig anziehen, um völlige Dichtheit zu erreichen.

1O.) Bei 4-Taktern Steuerzeiten überprüfen und auf ausreichendes Ventilspiel achten; besser etwas mehr Spiel als zu wenig. Wenig oder kein Spiel kann bewirken, daß die Ventile nicht ganz schließen. Die Folge: nicht volle Kompression und die Ventilsitze können verbrennen.

Bei Drehschiebern können sich die Steuerzeiten durch nicht ganz festen Sitz der Übertragungszahnräder verstellen, wenn diese werksseitig nur aufgepreßt sind.

11.) Druckanschluß: Prüfen ob der Nippel am Schalldämpfer offen ist, sonst entsteht ein Unterdruck, der den Kraftstoff vom Vergaser zurücksaugt.

12.) Schalldämpfer: Diese müssen geeignet sein, d.h. falsche Resonanz im Dämpfer gegen die Steuerzeiten des Motors, läßt keinen sauberen und einwandfreien Lauf zu, bzw. führt zu Abstellern.

Wenn auf oben genannte Weise kein Anspringen des Motors möglich ist, dann hilft nur noch die "HammerMethode".

Ohne Glühkerzenheizung und ohne Sprit im Motor oder Vergaser -Anlasser ansetzen und Motor mehrmals durchdrehen lassen, Dann während des Durchdrehens Kerze anheizen! Wenn nichts kommt, dann kurz Finger auf die SchalldämpferÖffnung legen, um Druck für Sprit zu erzeugen. Aber Achtung: Finger weg aus der Propellerebene. Der 4-Takter schlägt oft mit großer Gewalt zurück!!!!

Ich hoffe und wünsche mir, daß jetzt alle Probleme in den Griff zu bekommen sind und der damit oft verbundene Frust bis auf ein Minimum abgebaut wird. Etwas Ärger muß bleiben, damit die umherstehenden Fliegerkollegen auch ein bißchen Freude an der Sache haben.