Motoreneinbau und alles was noch dazugehört

Was schon beim Bauen beachtet werden muß. Für jeden Motor sollten 2 Rippenprofile mit dem Motorträgerausleger aus jeweils einem Stück gefertigt werden, damit Festigkeit und Elastizität gewährleistet sind. Als beste Profile für mehrmotorige Flugmodelle, egal welcher Größe, haben sich das von mir in erster Linie vorzuziehende TNT und das ebenfalls als gut geeignete NACA 2415 herausgestellt. Das in früheren Zeiten viel verwendete Clark Y ist den oben genannten Profilen in den Flugeigenschaften völlig unterlegen. Und immer den Grundsatz beachten: Luft ist leicht, also einfach "umbaute Luft" als Flugmodell. Alles Überflüssige herausarbeiten, es zahlt sich später aus beim Fliegen. Die EWD zur Flugachse und Dämpfungsfläche (Leitwerk) sollte zwischen 1 und 2 Grad betragen, nach Möglichkeit nicht darüber hinaus gehen, weil bei der größeren Wirkung mehrerer Motoren, das Modell beim Beschleunigen sofort nach oben wegsteigt, was ein ständiges Nachsteuern erforderlich macht. So sollen die Motorträger auch 0 Grad zur Flugachse und Dämpfungsfläche (Höhenleitwerk) haben.

Bei Auswahl der Motorengröße ist die endgültige Größe und das Gewicht des Modells entscheidend. Es können auch Motoren unterschiedlicher Größe zur Anwendung kommen. So kann zum Beispiel eine 2-Mot. mit einem Gewicht von 6 kg und einer Spannweite von 2 m, mit einem 10 ccm und einem 6,5 ccm Motor betrieben werden. Die Anlenkung wird beim 10er dann so differenziert, daß dieser dann nur mit halber Drehzahl läuft. Das geht einwandfrei und spart größere Geldausgaben für neue Motoren. Mit Hilfe einer kleinen Zugwaage kann die Leistung des 10er, dem 6,5er angepaßt werden. Auch spielt es gar keine Rolle, wenn Motoren verschiedener Hersteller verwendet werden oder welcher Altersklasse, da Drehzahlunterschiede bis 1000 UpM vernachlässigt werden können. Beispiel meine AWACS, bestückt mit uralten ausgelutschten 10 ccm Motoren, je 1 x Webra - Rossi - HP - GUS. Der Sound dieser unterschiedlich laufenden Motoren begeistert immer wieder. Bei der Kostenfeststellung sind die Ausgaben für die Motoren meistens der größte Faktor.

Vom richtigen Einbau der Motoren hängt es ab, ob der Pilot an seinem Hobby Spaß haben möchte oder nervigen Streß bis zur Aufgabe.

Nur rechtslaufende Motoren verwenden. Gegenläufige bringen überhaupt keinen Vorteil.

1.) Wenn irgendwie möglich, alle Motoren liegend einbauen, AuspuffSchlitz unten. Folgende 2 wesentliche Vorteile bringt diese Anordnung.

a) Eine erheblich bessere Schwingungsverteilung horizontal auf die Tragfläche, da die Kolben in den Motoren jetzt waagerecht arbeiten. Ich habe einmal bei meiner Gigant alle 6 Motoren stehend eingebaut, auf volle synchrone Höchstdrehzahl einreguliert und im Bruchteil einer Sekunde nur noch dumm aus der Wäsche geschaut. Alle Motoren lösten sich explosionsartig von der Fläche und flogen mir um die Ohren. Wahrscheinlich ausgelöst durch hochschaukelnde Resonanz in Verbindung mit stehendem Einbau, konnten die Schwingungen nicht geschluckt werden.

Diese Vibrationen können ebenfalls ausgelöst werden, wenn größere Motoren über 20 ccm auf Schwinggummis befestigt werden. Diese größeren Motoren erzeugen durch das Auf und Ab der schwereren Kolben sowieso schon eine größere Massenbewegung, die dann durch Schwinggummis noch wesentlich verstärkt werden kann. Auch die allerkleinste Unwucht im Spinner oder Propeller erzeugen dann diese Unruhe, die auf Motor, Modell und Leistung des Vortriebs einen nicht beabsichtigten Nachteil haben. Der Propeller läuft aus der Mitte und kann somit nicht seine optimale Leistung abgeben.

b) Das Anwerfen der Motoren wird durch diese Seitenlage ungemein erleichtert. Es bewirkt, daß überzähliger Kraftstoff im Motor sofort nach unten durch den AuspuffSchlitz ausläuft und sich nicht im Kurbelgehäuse ansammelt, um dann beim Anlassen in den Verbrennungsraum gewirbelt zu werden. Dort kann diese vermehrte Kraftstoffansammlung verheerende Folgen haben. Reiner Kraftstoff ist nicht zu verdichten, läßt sich also durch die Aufwärtsbewegung des Kolbens nicht komprimieren. Die Folge ist eine Zerstörung des Motors an Pleuel oder Kurbelwelle. Nur ein richtig dosiertes Kraftstoff-Luftgemisch kann verdichtet werden und optimal den Motor zum Laufen bringen. Ein sofortiges! Anspringen ist bei mehreren Motoren sowieso eine unbedingte Voraussetzung, will der Pilot nicht frustriert nach vielen vergeblichen Startversuchen seinen Kram wieder einpacken und nach Hause fahren.

2.) Ausrichtung. Alle Motoren auf 0 Grad zur Flugachse und Leitwerk einbauen, also weder Sturz noch Steigung. Die früher vertretene Meinung, (auch heute noch von einigen Herstellern), daß bei stärkerer Motorleistung die Motoren entsprechenden Sturz erhalten müssen, ist widersinnig; denn warum soll der durch erhöhten Anstellwinkel erzeugte übermäßige Auftrieb (Wegsteigen), durch Motorsturz wieder kompensiert werden? Das wäre paradox und läßt ein Modell im ständigen Widerstand fliegen - die Fläche bedingt ein Wegsteigen, der Motor muß es wieder auf normale Werte "herunterziehen". Der Seitenzug kann jeweils bis zu 3 Grad betragen. Den Motoren an der rechten Seite einen Seitenzug von 3 Grad nach rechts geben, denen auf der linken Seite einen Seitenzug nach links. Dieses hat beim Fliegen zur Folge: Falls ein Motor abstellt, wird auf der gegenüberliegenden Seite durch den Außenzug das Modell etwas mehr dorthin gezogen. Jetzt driftet das Modell zwar etwas, läßt sich jedoch mit Seitenruder und nur mit Seitenruder, sehr gut in jede Richtung steuern. Ein extremes Beispiel dieser eingebauten Seitenzüge bei Motoren kann man bei der alten "Tante Ju" beobachten.

 

Die Ansteuerung mehrerer Motoren kann bei allen geraden Tragflächen mit nur einem Servo über Drehgestänge erfolgen. Bei stark gepfeilten Flächen muß jedem Motor ein Servo zugeordnet werden, hier funktioniert ein Drehgestänge infolge des Ansteuerwinkels nicht mehr korrekt. Sehr Wichtig ist, daß alle Motoren nur über einen Kanal angesteuert werden, entweder laufen alle, oder können mit einer Knüppelbewegung am Sender sofort abgestellt werden; denn falls ein Motor während des Fliegens abstellt, kann meistens gar nicht festgestellt werden, welcher Motor nicht mehr läuft, nur im extremen Tiefflug, dann ist es sowieso oft zu spät.

 

Ein Kraftstofftank muß jedem Motor in unmittelbarer Nähe zugeordnet werden, möglichst in den Motorträgerausleger integrieren. Niemals einen Tank für 2 oder mehr Motoren nehmen, es geht nicht gut. Die unterschiedlichen Schlauchlängen in Verbindung mit Schaumbildung im Kraftstoff bringen immer vorprogrammierte Probleme. Bei mehrmotorigen Modellen, die später auch dem original entsprechend geflogen werden sollen, also ohne Rollen oder Loopings, erübrigt sich auch ein Kraftstoffpendel im Tank. Einfach nur ein zum Tankboden gebogenes festes Röhrchen genügt. Somit wird von vornherein schon eine wesentliche, immer wieder festgestellte Fehlerquelle ausgeschaltet. Oftmals ist für den Tankeinbau nicht ausreichend Platz in den Motorenauslegern. So kann neben den Auslegern, im vorderen Nasenbereich der Tragfläche, ein flacher Tankersatz eingebaut werden. Dieser Tankersatz kann aus kleinen Plasticflaschen oder ähnlichen Behältnissen hergestellt werden. In meiner 6-mot. Gigant sind 4 x 200 ccm und 2 x 150 ccm Penatenölflaschen verwendet worden, die jetzt schon über 34 Jahre ihren Dienst tun, ohne jemals irgendeinen Defekt zu haben. Die 150 ccm Flaschen waren wegen der geringen Flächenhöhe im Nasenbereich bei den beiden ganz außenliegenden Motoren erforderlich.

 

Starten und Laufenlassen der Motoren. Alle Motoren gut vorbereiten - Ruhe und Zeit damit lassen. Durch den voll geöffneten Vergaser viel Kraftstoff in den Motor spritzen und dann mit der Hand ca. 10 x schnell durchdrehen oder den Anlasser kurz aufsetzen. Erst wenn alle Motoren so vorbereitet sind, Vergaser wieder bis auf 1/3 schließen und dann mit vollgeladenem Glühkerzenakku die Motoren einzeln starten - damit aber immer ganz rechts außen beginnen, wenn man vor dem Modell steht. So vermeidet man Verletzungen, indem durch den laufenden Propeller vom Nachbarmotor gegriffen wird, wenn die Kerzenklemme aufgesteckt wird. Das Anlassen bis 6 Motoren darf insgesamt nicht längere Zeit als maximal 1 Minute in Anspruch nehmen.

Als am besten geeigneter Kraftstoff hat sich in der Praxis immer noch der Rizinus-Sprit mit max. ca. 3 % Nitromethan erwiesen.

Wenn alle Motoren laufen, diese nur in etwa auf gleiche Drehzahl einregulieren, Halbgas geben und Modell rollen lassen. Dann nur soviel mehr Gas geben, bis das Modell abhebt und fliegt. Nicht unbedingt Vollgas, denn Mehrmotorige haben immer viel zuviel Power, was einem Neuling zwar nicht von Anfang an verständlich erscheint, jedoch mit weiterer Flugerfahrung immer deutlicher wird. Je nach Motoranordnung werden die Tragflächen durch den Luftstrom der Propeller so stark angeströmt, daß ein Auftrieb auch ohne große Geschwindigkeit gegeben ist. Gesteuert werden Mehrmotorige, insbesondere die etwas Größeren, nur mit Seitenruder, die Querruder dienen nur zur Korrektur der Querlage, denn die Modelle sind für Messerflüge, Rollen oder Loopings nicht gerade konzipiert. Sollte ein Motor im Flug abstellen, oder eventuell auch zwei, dann ganz ruhig mit Seitenruder die Richtung halten; wenn nichts mehr nützt, die anderen Motoren sofort abstellen, das Modell mit der Nase nach unten Fahrt aufholen lassen und in aller Ruhe zur Landung einschweben, wie gewohnt auch mit jedem anderen Modell. Auch wenn die Piste nicht erreicht werden sollte, langsam irgendwo in Bodennähe "Aushungern lassen" und aufsetzen. Es geht dann meistens weniger in die Brüche, als wenn infolge Motorenabsteller und unkontrolliertem Herumsteuern mit allen Rudern, das Modell ins Trudeln gerät und einen senkrechten Abgang macht. Eine einmal abgerissene Strömung wird durch betätigen der Querruder nicht wieder angelegt, im Gegenteil, das Wenige, was noch anliegen sollte, wird dann ganz kaputt gemacht.

 

Was passiert eigentlich, wenn ein Motor im Flug abstellt? Hier müssen wir 2 Konfigurationen unterscheiden.

1.) Motoren mit Propellern, die so angebracht sind, daß der Luftstrom der drehenden Propeller die Tragflächen ganz oder nur teilweise anströmen.

2.) Motoren mit Propellern, die weit über oder unter der Tragfläche, oder im hinteren Bereich des Modells installiert, oder Impeller bzw. Düsenaggregate, egal wo diese angebracht sind.

Zu 1: Die von Propellern angeblasenen Flächen erzeugen im angeströmten Teil einen nicht vernachlässigbaren Auftrieb. Wenn jetzt ein Motor abstellt, fällt in diesem Teil der Fläche der zusätzliche Antrieb und Auftrieb weg und das Modell dreht infolge des nicht mehr drehenden Motors in diese Richtung (Gieren) und kippt ab. Abhilfe schafft ein sofortiges Gegensteuern mit dem Seitenruder. Dieses wird von den noch laufenden Motoren weiterhin angeströmt und hat somit volle Wirkung. Die Querruderwirkung ist nur durch die Fahrt gegeben und sollten jetzt nur dazu genutzt werden, das Modell in möglichst waagerechter Lage zu halten. Je langsamer der Flug wird, desto weniger Wirkung zeigen die Querruder und können bei größerer Betätigung zum Strömungsabriß führen.

Zu 2: Diese Modelle benötigen allerdings einerseits ein wenig mehr Power, da diese Art der Motorenanordnung keinen zusätzlichen Auftrieb erzeugen, andrerseits sind sie bei Motorenabsteller für den Neuling etwas besser zu beherrschen. Manchmal bemerkt der Pilot erst bei der Landung, daß der eine oder andere Motor nicht mehr läuft. Falls doch Schwierigkeiten im Fluge auftreten sollten, dann ebenso Aussteuern wie im ersten Fall geschildert. Konstruktionsbedingt müssen diese Modelle ein klein wenig schneller geflogen werden, da Auftrieb nur durch Fahrt erzeugt wird.

Auch ein Anfänger mit Mehrmotorigen wird sehr schnell merken, daß es fast so einfach ist wie mit allen anderen Modellen - nur schöner, majestätischer, ruhiger und viel faszinierender als all der andere "Kleinkram" bisher.

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