Elektronisches Kreiselsystem für Großmodelle?

Nicht gemeint sind optische "Kreisel", da dies keine Kreisel sind und für nachstehende Verwendung nicht geeignet, bei bestimmten Bedingungen.

Was bei der Modellhubschrauberfliegerei heute schon gar nicht mehr wegzudenken ist, hat bei der Fliegerei mit Großmodellen bisher noch keinen großen Anklang gefunden. Es liegt wohl daran, daß ein sauber gebautes Großmodell nicht gerne zum Experimentieren verwendet werden soll. So ist man dann zufrieden, wenn das Modell einigermaßen gut fliegt und in der Luft bleibt. Ich nehme jetzt seit über 40 Jahren an Modellflugtagen im In-und Ausland aktiv teil und in den letzten 2 bis 4 Jahrzehnten überwiegend mit Großmodellen. Da Modellflugtage praktisch bei jedem Wetter durchgeführt werden, (müssen wegen der zahlenden Zuschauer) habe ich immer wieder aus eigener Erfahrung festgestellt, daß Großmodelle bei Wind oft sehr stark schaukeln und ein stetiges Aussteuern erforderlich machen. Schaukelnde Großmodelle sind für den Zuschauer kein großer Genuß, da sie nicht dem Original entsprechen. Ich habe mich immer krampfhaft bemüht, durch Gegensteuern die Modelle einigermaßen sauber vorzufliegen. Bedingt durch unser Modell B 747 mit aufgesetztem Space-Shuttle, zeigten die ersten Flugversuche und Flüge, sehr stark schaukelnde Bewegungen, die teilweise bedrohliche Ausmaße annahmen und uns bald verzweifeln ließen. Diese Bewegungen rührten von dem hochgesetzten Space Shuttle her, welches nur lose auf den Halterungen auf der B 747 aufliegt, um beim Ausklinken gut loszukommen. Wir entschlossen uns jetzt gezwungenermaßen zum Einbau eines elektronischen Kreiselsystems. Vorsichtigerweise baute ich den Kreisel jedoch erst mal in meine Me 323, mit 4m Spannweite und 6 Motoren ein, um Versuche zu machen. Schon der erste Flugversuch war so überraschend und überzeugend, daß gleich mehrere Versuche bei unterschiedlichen Windgeschwindigkeiten folgten.

Zu folgenden Ergebnissen bin ich gelangt:

Kreiselstabilisierung der Querruder = hervorragend und optimal

Kreiselstabilisierung des Seitenruders = nur bedingte Wirkung

Kreiselstabilisierung des Höhenruders = nur bedingte Wirkung.

Da Großmodelle grundsätzlich nur mit Seitenruder geflogen werden sollten und die Querruder ausschließlich zur Stabilisierung (Abstützung) der Querlage dienen, wird der elektronische Kreisel praktisch nur für die Querruder benötigt. Hier zeigt er jedoch sein ganzes Können!! Man kann die Querruder praktisch beim Fliegen vergessen und nur dann steuern, wenn man die Querlage gewollt ändern möchte. Die unmöglichen, durch Windböen hervorgerufenen Schaukelbewegungen werden durch den Kreisel voll ausgesteuert, weil er schon die Bewegung im Ansatz erkennt und sofort reagiert. So schnell kann auch ein erfahrener Pilot gar nicht reagieren.

Seit Einbau des Kreisel in unsere B 747 mit dem Space Shuttle, sind die Schaukelbewegungen weg und die Flugvorführungen wurden seitdem zu einem wahren Erlebnis. Wer unsere ersten Flugvorführungen und dann die späteren miterlebt hat, kann dieses voll bestätigen.

Der Einbau des Kreisels sollte mittig in der Längsachse im Rumpf senkrecht erfolgen. Ob vorne, hinten oder in der Mitte spielt keine Rolle. Beim Kreisel die größte Reaktion einstellen. Bedingt durch die Trägheit bei Großmodellen tritt hierdurch kein "Aufschaukeln" auf.