Mehrmotorige Flugmodelle - Grundlagen

 

Wer schaut nicht hin und hört gespannt auf das monotone Gebrumm oder das Düsengeräusch, wenn hoch über unseren Köpfen die "Großen" auf ihren vorgegeben Luftstraßen ihre Bahnen ziehen. Die Faszination der Größe, des scheinbar ruhigen Dahingleitens und der Sound der vielen Motoren, läßt im Traum so manchen Modellflieger nicht mehr los. Der Gedanke an einen flugfähigen Nachbau als Modell wird immer stärker, doch fällt er oft sehr schnell in sich zusammen, wenn die nötige Erfahrung zum Bau solcher Modelle fehlt, oder andere Modellfliegerkameraden von der Gestaltung dieser Objekte abraten, weil sie aus Unkenntnis selbst nicht in der Lage sind, so etwas zu verwirklichen. Es ist nicht schwieriger als ein 1-motoriges Modell zu bauen, nur etwas aufwendiger unter Beachtung einiger ganz bestimmter Merkmale. Leider ist das Angebot an mehrmotorigen Modellen sehr gering und man muß sich mit dem zufrieden geben, was andere ausgedacht und zu Papier gebracht haben, mit allen Vor- und Nachteilen. Was oft am grünen Tisch logisch erscheint, klappt in der Praxis gar nicht.

Die Voraussetzungen, die Idee in die Tat umzusetzen, sollten gegeben sein. Das sind unter anderem: Gutes Vorstellungsvermögen, da Mehrmotorige kaum als fertige Baukästen angeboten werden und jedes einzelne Teil erst im Kopf wachsen muß, ein wenig Bauerfahrung, Platz zum Bauen im Keller, Dachboden oder im Schlafzimmer, falls dieses nicht für andere Zwecke benötigt wird - und ggfls. eine sehr verständnisvolle Frau, Freundin oder Lebenspartnerin.

Wie groß soll ein Nachbau einer Mehrmotorigen werden? Das hängt oft von vielen Faktoren ab. Kosten - Platz zum Bauen - Transport - und wo kann ich dieses Modell dann fliegen? Grundsätzlich gilt: je größer ein Modell mit mehreren Motoren, desto unproblematischer ist das Fliegen. Achtung! Gewichtslimit 25 kg. Dieses Gewicht sollte "Fluggewicht" sein und nicht wie einige Schlauberger meinen: "Leergewicht ohne Sprit", denn sollte ein Versicherungsfall eintreten, zählt das Gesamtgewicht und der Pilot hat dann sehr schlechte Karten!! Auf sehr vielen Flugveranstaltungen wird dieser Punkt meistens - wenn überhaupt - sehr lax gehandhabt, obwohl die Verantwortung dann ebenfalls beim Veranstalter liegt. Bei vernünftiger Leichtbauweise sind Mehrmotorige bis 6 Motoren und 5 Meter Spannweite weit unter 20 kg zu bauen. Beispiel meine MU-186 4,5 m Spannweite, 3 x 10 ccm Viertaktmotoren = 14 kg Fluggewicht. B 747 mit aufgesetztem Space Shuttle = 18 kg Fluggewicht (Gesamt).

Alle genannten Grundlagen treffen auch für die Mehrmotorigen mit Elektromotoren zu, nur können dort die Kraftstofftanks eingespart werden. Elektrisch? - mir würde etwas fehlen. Der Sound, die etwas ölige und klebrige Sache an den Fingern - und noch einiges mehr - ganz zu schweigen von der Einsparung des langen Stromkabels. Denn vom Geräusch her sind die Mehrmot. mit Verbrennern, wenn nicht ständig volle Power geheizt wird, wesentlich leiser und angenehmer als ein einmotoriges Modell. Und bekannterweise erregt ein Modell mit mehreren Motoren immer mehr Aufsehen als eines, das nur mit einem bestückt ist, auch wenn es noch so schön gebaut sein sollte.

Wie war es früher in der guten alten Zeit der Tip-Tip-Anlagen? Auch damals bauten wir schon mehrmotorige Modelle. Es gab wenig Vereine, jeder war mehr oder weniger auf sich alleine gestellt, kaum Modellflugplätze oder anderweitig gute Möglichkeiten, diese Modelle vom Boden aus zu starten. So geschah dieses auf jeder einigermaßen guten Kuhwiese, die Bauern schauten oft interessiert zu, man verstand sich damals noch besser und es gab keinen Umweltschutz und keine Lärmbegrenzung wie heutzutage. Die Motoren hatten zum Teil noch keine Schalldämpfer und eine Drossel im Vergaser war auch noch nicht vorhanden. Der Lärm war entsprechend bei mehreren Motoren. So wurden die Motoren auf volle Leistung eingestellt, die Tip-Tip-Anlage ca. 30 bis 50 Meter voraus in die Wiese gestellt, dann wurde das Modell zum Handstart in beide Hände genommen, über den Kopf gehalten und dann wurde gelaufen bis die Zunge aus dem Halse hing. Über der Tip-Anlage wurde das Modell mit Schwung abgeworfen, der Pilot ließ sich auf seine Anlage fallen und fing kniend an zu steuern. Wenn man Glück hatte, flog das Modell. Aber wer aus der Freiflugschule hervorgegangen ist, konnte ziemlich sicher sein, daß es flog. Das Landen war dann das geringste Problem, da ohne Fahrwerk irgendwo aufgesetzt wurde und auch nichts Wesentliches in die Brüche ging.

Heutzutage sind die Möglichkeiten, sein mehrmotoriges Modell fliegen zu lassen erheblich verbessert worden, wenn auch nicht völlig ohne zeitbedingte Probleme. Aber damit müssen wir leben. Wir sind nicht mehr alleine, müssen uns anderen und der Umwelt anpassen und alles Erdenkliche tun, um keinen Mitmenschen mehr als nach den Umständen unvermeidbar behindern, belästigen oder gar gefährden. Sicherheit an erste Stelle! Dazu gehört auch eine sehr gute und sichere Fernsteueranlage, möglichst eine doppelte Empfangsanlage mit je einer doppelten Stromversorgung über Akkuweiche. Akkus ständig prüfen und sofort erneuern, falls irgend eine kleine Ungereimtheit festzustellen ist. Unsere Mehrmotorigen sind viel zu wertvoll, um sie leichtsinnigerweise aufs Spiel zu setzen.